Melanchthon und Italien

Am 28. August 1518 begann Melanchthon mit der Rede "Über die Studienreform" seine Lehrtätigkeit an der Universität Wittenberg, im Oktober erfolgte die Drucklegung der furiosen Antrittsvorlesung, die überaus großen Eindruck auf alle Zuhörer machte, und schon wenige Wochen später, im Dezember 1518, kam ein Exemplar des Drucks in Italien, und zwar in Como, an. So schnell fanden die Werke Melanchthons ihren Weg nach Italien. Waren solche vereinzelte Büchermitnahmen zunächst noch gefahrenlos, so wuchs mit der Zahl der Importe natürlich auch die Gegenwehr der katholischen Kircheninstitutionen. Melanchthons Werke kamen auf den Index und ihr Besitz wurde in zahlreichen Inquisitionsprozessen als Tatbestand religiöser Häresie angezeigt. Melanchthon war auf dem italienischen Bücherschwarzmarkt des 16. Jahrhunderts einer der meistgefragten Autoren. Viele der italienischen Anhänger der Reformation begegneten der Wittenberger Theologie durch Melanchthons "Loci Communes", die in Italien eine große Verbreitung fand und auch ins Italienische übertragen wurde. Gelehrte und spätere Anhänger der Reformation waren von den "Loci", der "fonte dolce e pura", also der "süßen und reinen Quelle", tief beeindruckt. Auch andere Werke Melanchthons wie der Traktat "Über die Autorität der Kirche" und das "Chronicon Carionis" sind ins Italienische übersetzt worden.

Doch nicht nur der Theologe, sondern auch der Schriftsteller Melanchthon fand Lob aus italienischem Munde. Lilio Gregorio Giraldi erwähnte in seiner Literaturgeschichte "De poetis nostrorum temporum" von 1551 den Wittenberger Dichter unter den hervorragenden Autoren Deutschlands, auch wenn er seine protestantische Denkweise streng mißbilligte.

Die Evangelischen befanden sich gerade in Italien in besonderer Gefährdung, so daß viele fliehen mußten und sich vor allem in Basel, damals ein Hort ausländischer Glaubensflüchtlinge, niederließen. Einige der Flüchtlinge schlugen sich sogar bis nach Wittenberg durch und waren Gast im Hause Melanchthons. Melanchthon und Italien: das ist gewiß kein ständiger Austausch, da dieser angesichts der konfessionellen Spaltung zunehmend unterdrückt wurde, aber doch ein Kapitel, das nicht ohne Reiz ist.



In der Epistel an den Senat von Venedig (Januar 1539) wirbt Melachthon für Unterstützung der reformatorischen Bewegung in Italien






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