06.10.2011 bis 8.10.11

Cicero in der Frühen Neuzeit: Internationales Symposium der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten und des Interdisziplinären Zentrums Mittelalter-Renaissance-Frühe Neuzeit der FU Berlin


Europäische Melanchthon-Akademie, Vortragssaal

Abendvortrag von Prof. Dr. Gawlick. Foto:wod

Cicero war neben Aristoteles der bedeutendste antike Autor, mit dem sich Philipp Melanchthon in seinem Werk auseinandersetze. Ihm taten es dabei viele Zeitgenossen gleich. Trotzdem ist die Bedeutung Ciceros für die Geistesgeschichte der Frühen Neuzeit im Allgemeinen und für Melanchthon im Besonderen bislang noch kaum untersucht. Deshalb widmet sich dieser Fragestellung das internationale Symposium vom 6. bis 8. Oktober in Bretten, das PD Dr. Günter Frank, Leiter der Melanchthon-Akademie und Kustos des Melanchthonhauses, zusammen mit Prof. Dr. Anne Eusterschulte, Berlin, organisiert.

Wieder richtet sich die Tagung, die im Vortragssaal der Europäischen Melanchthon-Akademie stattfindet, an Forscher unterschiedlicher Disziplinen, also an Theologen ebenso wie Philologen und Historiker. In diesem Sinne reicht das Spektrum der Beiträge vom Überblick über den „Einfluss von Ciceros Briefen auf Humanisten im 15. Jahrhundert“ bis zu „Cicero in der ìslamischen Aufklärung`des 16. Jahrhunderts.

Die interessierte Öffentlichkeit ist zum Abendvortrag am ersten Tagungstag, Donnerstag, 6. Oktober, um 19.30 Uhr in die Gedächtnishalle des Melanchthonhauses eingeladen. Zum Thema des Symposiums steuert Prof. em. Dr. Günter Gawlick seine Betrachtung der Cicero – Memoria bei, die er zwischen „Verachtung und Verehrung“ einordnet.

Der Vortrag legt dar, dass die Cicero-Memoria, d.h. die Gesamtheit der inhaltlich bestimmten Erinnerungen späterer Generationen an den römischen Klassiker, dreifach gegliedert ist: Diese Memoria besteht in der Erinnerung an die Person mit ihren Eigenschaften und Handlungen, an den Meister der Redekunst in Theorie und Praxis und an den Philosophen Cicero mit seinen vielfältigen Stellungnahmen zu erkenntnistheoretischen, ethischen und religionsphilosophischen Fragen.

Während die Erinnerung an den Autor rhetorischer Lehrschriften sowie vieler Gerichts- und Senatsreden fast einhellig positiv ausfällt, bewegt sie hinsichtlich der Person und des Philosophen zwischen Lob und Tadel bzw. zwischen Zustimmung und Ablehnung. Der Vortrag geht auf die philosophische Cicero-Rezeption in der Kirchenväterzeit, in der Renaissance und im Zeitalter der Aufklärung näher ein, weil hier die lebhafteste und fruchtbarste Auseinandersetzung mit dem Klassiker stattgefunden hat.

Günter Gawlick, (geb. 1930) absolvierte ein Studium der Philosophie, Latinistik und Anglistik von 1950 bis 1956. Die Promotion folgte 1956, die Habilitation 1963. Er lehrte ab 1969 bis zu seiner Emeritierung 1992 als ordentlicher Professor der Philosophie in Bochum. Gawlick ist Herausgeber und Mitherausgeber klassischer Werke der Philosophie Er verfasste zahlreiche Aufsätze, u.a. zur Wirkungsgeschichte Ciceros.