Bestimmte Ereignisse bzw. Katastrophen prägen sich als Wendepunkte in der Geschichte der Menschheit ein; was für unsere Generation der 11. September 2001 in New York bedeutet, war für Melanchthons Zeit der Sacco di Roma 1527, die Eroberung und Plünderung Roms durch Truppen Kaiser Karls V. Weit bedeutsamer und einschneidender noch war das Schicksal Konstantinopels, das am 29. Mai 1453 vom Heer des türkischen Sultans Mehmet erobert und geplündert wurde. Aus dem einstigen Zentrum der Christenheit wurde das Zentrum des islamisch-türkischen Reiches.
Beide Ereignisse sind Gegenstand bedeutsamer Reden Melanchthons, in denen er diese Ereignisse schildert und deutet. Für den heutigen Betrachter interessant ist der Vergleich beider Reden aus ganz verschiedenen Lebensepochen des Reformators und nicht zuletzt auch die Frage, wie wir Geschichte deuten.
Dr. Martin Schneider (geb. 1947) wurde nach dem Studium der Theologie 1973 ordiniert. 1976 erfolgte die Promotion mit einer Arbeit über die Geschichte der Waldenser im Mittelalter. Dr. Schneider wirkte als Pfarrer in Meißenheim, Eppingen und Pforzheim. Seit 1. April 2008 ist er als theologischer Referent an der Europäischen Melanchthon-Akademie in Bretten tätig.