12.09.2014 20 Uhr

Vortrag "Cranach zwischen altem und neuem Glauben: Überlegungen zum Kunstmarkt der Reformationszeit", Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke, Trier


Bretten Melanchthonhaus Gedächtnishalle

Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke Foto: Michael Neugebauer

Immer wieder haben im Laufe der Geschichte radikale gesellschaftliche Umbruchprozesse auch die Künste vereinnahmt. Ein jüngstes Beispiel wäre der Zusammenbruch der DDR, wo nach der deutschen Wiedervereinigung die dem Unrechtregime nahestehenden Künstler sich neu verorten mussten. Welche Auswirkungen hat nun die Reformation auf die Künste, vor allem nach der Phase der Radikalisierung, bei der im Bildersturm vor allem die religiöse Kunst attackiert wurde. Was machten die Bildhauer oder Maler, nachdem in Mitteldeutschland ihre bereits ausgelieferten Werke nicht mehr bezahlt bzw. keine neuen in Auftrag gegeben wurden? Die Klage der Künstler war unüberhörbar und Abwanderungen bzw. der Wechsel des Berufes prägten die Umbruchszeit ebenso, wie eine zukunftsweisende thematische Neuausrichtung der Künstlerwerkstätten.

Der öffentliche Abendvortrag ist Teil der Jahrestagung des Theologischen Arbeitskreises für Reformationsgeschichtliche Forschung (TARF), die vom 11.-13. Sept. an der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten stattfindet.


Zur Person:
Das Forschungsgebiet von Professor Tacke (Jg. 1954) ist die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte. Einer seiner Schwerpunkte ist dabei Lucas Cranach der Ältere und die Rolle der Kunst im Prozess der Glaubensspaltung.
Er promovierte nach einem Doppelstudium in Architektur und Kunstgeschichte. Finanziert durch die Paul Getty-Stiftung (USA) war er als Mitarbeiter des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg mit Bearbeitung und Publikation des Bestandskataloges der Barockgemälde betraut. Danach als Hochschulassistent, später akademischer Rat, an der Universität Augsburg und Habilitation in Kunstwissenschaften (2000) an der TU Berlin. Es schlossen sich Gast- und Vertretungsprofessuren im In- und Ausland an; seit 2005 ist er Lehrstuhlinhaber für Kunstgeschichte an der Universität Trier. Im November 2010 wurde ihm der höchste europäische Wissenschaftspreis („ERC Advanced Grant“) durch den Europäischen Forschungsrat der Europäischen Union im Bereich „Social Sciences and Humanities“ verliehen. 2011 gründete er die „Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte“ (TAK). Professor Tacke ist Gastkurator im In- und Ausland.