12.11.2015 19.30 Uhr

Öffentlicher Abendvortrag zum Symposium "Reformation und Bildnis": PD Dr. Susanne Wegmann (Martin Luther Universität Halle), "Positionen des Künstlers. Selbstbildnisse im Kontext der Glaubensstreitigkeiten"


Bretten Melanchtonhaus Gedächtnishalle

 

 

Das ins Werk integrierte Selbstbildnis des Künstlers gewinnt vor dem Hintergrund von Reformation und Konfessionalisierung eine neue Bedeutungsfacette. Die Position des Künstlers – sein Standort und sein Agieren im Bild – muss nun zugleich als Positionierung zu den Glaubensaussagen verstanden werden. Es galt für den Künstler, sein Schaffen und sein Werk zu behaupten, zu verteidigen oder neu zu verorten. Durch die Selbstdarstellung im Bildnis vermag der Künstler, subtil und differenziert seine Aufgaben im Kontext des alten und neuen Glaubens zu definieren, Stellung zu beziehen oder sich auch zu distanzieren.

Durch die Abstufung verschiedener Strategien der Selbstdarstellung, die körper- und zeichenhaft in Bildnissen, Künstlerinschriften und Signaturen erfolgen kann, vermag der Künstler Unterscheidungen zu geben von Person und Profession und so auch seine Tätigkeit von eigenen Glaubensüberzeugungen zu trennen. Der Vergleich von vorreformatorischen Positionierungen mit Selbstdarstellungen der Künstler im Zeitalter von Reformation und Konfessionalisierung zeigt deutlich die unterschiedlichen Akzentsetzungen. So stand die vorreformatorische Selbstdarstellung noch im Einklang mit den Glaubensüberzeugungen des Auftraggebers, und die Künstler glichen sich mit Positionierungen und Formulierungen den Stifterbildnissen und -inschriften an. Die Reformation hob diesen selbstverständlichen Einklang auf, die Überzeugungen und Interessen von Stiftern, Auftraggebern und Künstler driften vielfach auseinander, was sich auf die Selbstdarstellung und Markierung des Werkes durch den Künstler auswirkt. Der Vortrag wird diese Selbstdarstellungen an Beispielen von Albrecht Dürer, Hans Baldung, Hans Schäufelein und Lucas Cranach d.  Ä. sowie Lucas Cranach d. J. erläutern.