11.06.2016 bis 11.12.2016

Große Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum 2017 „Reformatoren im Bildnis“


Bretten Melanchthonhaus

Wie sahen die Reformatoren wirklich aus? Und: Was sagen uns die Darstellungen über ihre Persönlichkeit, ihr Wirken und ihre Bedeutung? Diese Fragen will eine  große Sonderausstellung im Melanchthonhaus Bretten beantworten, die ab 11. Juni bis 11. Dezember 2016 nicht nur das bevorstehende  500-jährige Reformationsjubiläum 2017 in einer namhaften reformatorischen Gedenkstätte einläutet, sondern auch das Ergebnis grundlegender religions- und kunstgeschichtlicher Untersuchungen vorstellt. „Reformatoren im Bildnis. Verschlüsselte Botschaften“ lautet der Titel der Überblicksschau. Sie legt die bildliche reformatorische Propaganda offen, die sich hinter den unterschiedlichen Darstellungsformen der Repräsentanten des Glaubenskampfes zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert verbirgt.

Bildnisse der Reformatoren waren ein zentrales Kommunikationsmittel. Davon geht die promovierte Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel aus, die das Projekt der Europäischen Melanchthon-Akademie, das jetzt in der großen Sonderausstellung mündet, wissenschaftlich betreut und für die Präsentation in dem historischen Gebäude am Brettener Marktplatz verantwortlich zeichnet. Die Bedeutung des Unternehmens, dessen Thema bisher weder von Kunstwissenschaftlern noch von Theologen bearbeitet wurde, misst sich an der Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der ein Beschluss des Deutschen Bundestages zugrunde liegt. Hinzu kommen maßgebliche Zuwendungen der Baden-Württemberg Stiftung, der Stadt Bretten und des Melanchthonvereins Bretten.

Die Ausstellung ist in den Räumen des Melanchthonhauses zu sehen, dessen Ausstattung mit Malereien, Skulpturen und Deckengestaltungen bereits ein einzigartiges visuelles Konzept von Reformationsgedenken darstellt. Die Schau und das Museum selbst gehen dabei eine enge museumskonzeptionelle Verbindung ein, die an diesem Ort so noch nie zu erleben war. Nach einer filmischen Einführung taucht der Besucher in unterschiedliche Ebenen und Zeitschichten bildnerischer Überzeugungsarbeit ein, die schließlich in den Reformatoren-Porträts gipfelt.

Die Kunstwissenschaftlerin Dr. Maria Lucia Weigel nimmt den umfangreichen Bestand von druckgrafischen Blättern mit Reformatoren-Bildnissen in der Sammlung des Melanchthonhauses als Ausgangspunkt ihrer Präsentation. Sie geben bereits einen lückenlosen Überblick über die Darstellungsformen vom 16. bis 19. Jahrhundert. Ergänzt werden die hauseigenen Bestände von ausgewählten, wertvollen Exponaten aus anderen historischen Sammlungen. Im Fokus steht der deutschsprachige Raum mit seinen namhaftesten Reformations-Repräsentanten. Dazu gehören selbstverständlich die sogenannten Wittenberger Reformatoren um Luther, Philipp Melanchthon, Bugenhagen und Jonas, bis hin zu den Schweizern Zwingli und Calvin, Bullinger und Beza. Die Konterfeis der süddeutschen Reformer Brenz und Bucer sowie die Verfasser des Heidelberger Katechismus in der Kurpfalz werden vorgestellt und ergänzen die umfangreiche Betrachtung auch um einen regionalen Aspekt.

Die Sprache der Bilder ist dem heutigen Betrachter vielleicht zuerst fremd. Doch sie vermittelten in ihrer Zeit Glaubensinhalte und standen für die Glaubwürdigkeit derer, die sie verkündeten. Die Reformation bekam mit den Porträts ihrer Repräsentanten ein Gesicht. Die Botschaften, die sie in den Bildnissen mitteilen, bestimmen bis heute unseren Blick auf die Reformation und ihre Träger.

Doch wie gelang es den Künstlern in verschiedenen Epochen die Betrachter ihrer Werke von der Botschaft der Bilder zu überzeugen? Das Rätsel um die verschlüsselten Botschaften – und das kann schon eine hochgezogene Augenbraue sein! – löst die Sonderausstellung „Reformatoren im Bildnis“. Die Bilder beginnen zu sprechen und teilen ihre komplexen, kunstvoll arrangierten Inhalte auch uns heute mit. Es zeigt sich manch Überraschendes. Denn in der Überlieferung der Bildnisse über die Jahrhunderte hinweg treten Veränderungen auf. Und zu unterschiedlichen Zeiten wurden wechselnde Inhalte im Bild vermittelt. Dem wird in der Ausstellung im Melanchthonhaus Bretten erstmals nachgegangen.

Fest steht: Die von Deutschland ausgehende und sich in ganz Europa verbreitende  Reformation veränderte die Welt. Die neue Lehre brachte Umbrüche auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit sich. Sie haben Auswirkungen bis in die Gegenwart. Somit sind die historischen Bildnisse der Reformatoren von beeindruckender Aktualität.

 

Hier finden Sie alle Informationen zur Ausstellung: 

http://www.melanchthon.com/Reformatoren-im-Bildnis/

 

Die Skulpturen der Gedächtnishalle sind Teil der Ausstellung "Reformatoren im Bildnis"

 

 

Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel in der Ausstellung

 

Das Crananach-Diptychon mit Der Darstellung von Luther und seiner Frau Katharina von Bora

 

Ein Film führt in die Ausstellung ein