03.02.2014

Netzwerk Museen: Vorbericht zu Ausstellungsprojekt im Melanchthonhaus "Kirchen und Krieg 1914"


Betende Soldaten in einer zerstörten Kirche. Bildquelle: Wehrgeschichtliches Museum Rastatt

Mit dem Blick auf die Kirchen im Krieg

Das Melanchthonhaus beteiligt sich an grenzüberschreitender Ausstellungsreihe zum Ersten Weltkrieg / Eröffnung im September

Wie wurde der Erste Weltkrieg am Oberrhein erlebt? Deutsche, französische und schweizerische Museen präsentieren 2014, also hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, insgesamt 25 Ausstellungen. Auch das Melanchthonhaus Bretten ist mit der Präsentation einer Ausstellung beteiligt.

In der Gedenkstätte des Reformators und Universalgelehrten Philipp Melanchthon werden von Wissenschaftlern religiöse und kirchliche Aspekte des Themas anhand von bildlichen Überlieferungen herausgearbeitet. „Verbündete im Himmel. Religiöse Motive in Bildwerken des Ersten Weltkriegs“ lautet der Titel der Ausstellung, die vom 20. September bis zum 23. November zu sehen sein wird.


In der Zeit des Ersten Weltkriegs spielten Kirche und Religion eine erhebliche Rolle, und zwar über die Nationen und Konfessionsgrenzen hinaus, sowohl in Deutschland, England, den USA, Frankreich, Italien, Österreich als auch im orthodoxen Russland. Die Verflechtungen von Kirchen und Krieg will das Melanchthonhaus in seiner Ausstellung dokumentieren. Vielfältige überlieferte Bilddokumente, Postkarten Fotografien, Plakate u. ä. geben einen spannenden und erschütternden Einblick in die Sicht der Kirchen vom Krieg. Die Dokumente, welche die Mitarbeiter des Melanchthonhauses aufgestöbert haben, stammen aus unterschiedlichen Archiven zwischen Moskau und Rom.


Die Ausstellung analysiert anhand ausgewählter Bildwerke, welche Rolle die Kirchen in diesem Krieg gespielt haben. Deutlich wird dabei die Tätigkeit der Geistlichen als Militärseelsorger und die Verwendung von religiösen Motiven in einer Zeit des gegenseitigen Tötens, die zu Recht als eine der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts gesehen wird.


„Es ist erschütternd, zu sehen“, so der Kustos des Melanchthonhauses, Dr. Günter Frank, „wie alle Konfessionen in Europa, die katholische, altkatholische, lutherische, reformierte und orthodoxe Kirche zur Mobilisierung ihrer jeweiligen kriegführenden Mächte beigetragen haben. So ist z.B. unter katholischen Christen kaum bekannt, dass es eine Kriegs-Messe gab, die im Anschluss an die tridentinische Messe allgemein die Kriegsziele verherrlichte. Für den Gottesdienst freigegeben wurde diese Kriegs-Messe von allen deutschsprachigen Erzbischöfen zwischen Wien und Köln. Eigens beauftragte Künstler haben in dieser Kriegs-Messe Themen wie Opfer, Leiden, Ehre und Treue illustriert“.


Die Bedeutung der Ausstellungsreihe, an der sich Museen aus 22 Orten beteiligen, besteht darin, dass der Erste Weltkrieg aus verschiedenen nationalen, thematischen und regionalen Perspektiven beleuchtet wird. Bis heute werden die Jahre 1914 bis 1918 in den drei Ländern nämlich sehr unterschiedlich wahrgenommen. So gilt in der französischen Öffentlichkeit der Große Krieg, wie er im Französischen auch genannt wird, als das wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts. In Deutschland und der Schweiz hingegen ist im öffentlichen Bewusstsein die Zeit des Nationalsozialismus deutlich gegenwärtiger.
Vor eineinhalb Jahren wurde im Rahmen des INTERREG-Projektes „Dreiländermuseum“ ein trinationales Netzwerk oberrheinischer Museen gegründet – ein in Europa einzigartiger grenzüberschreitend tätiger Museumsverbund, dem sich auch das Melanchthonhaus Bretten anschloss.


Das Netzwerk hat für die Ausstellungsreihe eigens eine Homepage eingerichtet, die einen schnellen Zugriff auf die Orte und Themen ermöglicht. Sie ist in deutscher und französischer Sprache abrufbar. Das Netzwerk oberrheinischer Museen plant über das Projekt zum Ersten Weltkrieg hinaus weitere Aktivitäten  zu alle drei Länder betreffenden historischen Ereignissen. Sie sollen zukünftig alle vier Jahre stattfinden. (www.netzwerk-museen.eu).