30.09.2016

Reformationsgedenken der Badischen Landeskirche startete in Bretten


„BOTSCHAFT DER REFORMATION BEFREIT ZUR VERANTWORTUNG FÜR DIE WELT“ ERÖFFNUNG DES REFORMATIONSGEDENKENS DER BADISCHEN LANDESKIRCHE – START DER KAMPAGNE „ICH BIN SO FREI“


Bretten. Mit einer Pressematinee hat die badische Landeskirche am heutigen Freitag (30.9.) in Bretten das Reformationsjubiläum eröffnet. Zum Auftakt sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in einer Videobotschaft, „die reformatorische Botschaft mache den Menschen dazu frei, Verantwortung in dieser Welt wahrzunehmen.“ Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh erinnerte an die „emotionale und soziale Kraft“, die vom Gedenken an die Reformation ausgehe und plädierte für einen „mündigen Glauben“, der sich auch dem Zweifel stelle. Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und einer Kampagne unter dem Motto „Ich bin so frei“ erinnert die badische Landeskirche bis zum 31.10.2017 an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren und fragt nach der Bedeutung der reformatorischen Botschaft für die Gegenwart.


Landesbischof Cornelius-Bundschuh würdigte die Bedeutung der Reformation und ihre Wirkungen bis in die Gegenwart: „Die reformatorische Botschaft ist eine Botschaft der Freiheit – Freiheit von Menschenfurcht, Freiheit von all den Erwartungen, die Menschen an uns stellen“, sagte der Landesbischof. Die neu gewonnene Freiheit sei aber nicht mit Beziehungslosigkeit zu verwechseln, sondern beinhalte eine „Aufwertung des Weltlichen“ und die Verantwortung für die Welt, zum Beispiel durch den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Der Landesbischof betonte zugleich, wie wichtig es sei, der Reformation „in einem internationalen und ökumenischen Horizont zu gedenken“.
„Das Wissen, dass man letzten Endes nicht in letzter Instanz, sondern nur vorläufig Verantwortung hier trägt, hilft mir, insbesondere dann, wenn schwierige Entscheidungen zu treffen sind“, sagte Minister Schäuble zur Eröffnung des Reformationsgedenkens in Baden. Unter Aufnahme eines Zitates des Staatsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde erinnerte er daran, dass der Staat „von Grundlagen lebt, die er selbst nicht garantieren kann“. Im Sinne der lutherischen Vorstellung vom „Priestertum aller Gläubigen“ bekannte Minister Schäuble: „Ich nehme mir die Freiheit, die Kirche auch mal zu kritisieren“. Er rief die evangelische Kirche dazu auf, „Mut zu eigenen Standpunkten zu haben, aber auch unterschiedliche Standpunkte zu ertragen, und denjenigen, die eine andere Meinung haben, Raum zu geben“.


Die badische Landeskirche, ihre Kirchenbezirke und -gemeinden erinnern auf vielfältige Weise und an vielen Orten an die Reformation im Südwesten Deutschlands. So laden im Rahmen des „Europäischen Stationenweges“ die Reformationsstädte Heidelberg und Bretten ein, in der SAP-Arena wird am 11.2.2017 das Pop-Oratorium „Luther“ aufgeführt, eine „Zeitreise mit allen Sinnen“ lässt Martin Luther in Karlsruhe und Pforzheim sinnlich erfahrbar werden und ein „Fahrradpilgerweg“ führt von Konstanz nach Worms, Luthers Botschaft mit aktuellen Herausforderungen entlang des Rheins verbindend. Den Zusammenhang von „Reformation und Medienwandel“ verdeutlicht schließlich eine Ausstellung in der badischen Landesbibliothek.


Unter dem Leitgedanken „Heilendes Erinnern“ wird in ökumenischen Bußgottesdiensten an die konfessionellen Verletzungen der letzten 500 Jahre erinnert. Höhepunkt und Abschluss bilden dann ein Festakt mit Vertretern der Politik und ein ökumenischer Festgottesdienst am 28. und 31.10.2017.

Auch mit einer Plakat-Kampagne hebt die badische Landeskirche den reformatorischen Gedanken der Freiheit hervor: Unter dem Motto „Ich bin so frei“ bekennen Menschen aus ganz Baden, welche Freiheiten ihnen der Glaube im Alltag schenkt: Vom Landwirt über den LKW-Fahrer bis zur Finanzexpertin und zum Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens.


Weitere Informationen unter www.reformation-baden.de