Melanchthon-Haus 1945 bis heute
Im Zweiten Weltkrieg blieb das Melanchthonhaus mit Ausnahme
der durch Luftdruckeinwirkung zerstörten Chorfenster in der
Gedächtnishalle von weitergehenden Zerstörungen
verschont.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Chor bis zur
Rekonstruktion der ursprünglichen Fenster 1997 mit schmucklosen
Fenstern bestückt, Foto um 1950.

Amerikanische Truppen und Panzer auf dem Marktplatz
in Bretten, Juli 1945

Oberleutnant Walter Hagen, Aquarell, 1945
Am 08. Juli 1945 rückten amerikanische Truppen und Panzer
in Bretten ein.
Ihr Oberbefehlshaber war Oberleutnant Walter Hagen, geboren am
11. Januar 1918, ein in den Vereinigten Staaten durchaus bekannter
Mann. Hagen hatte an der Universität in Notre Dame, Bloomington,
Indiana Wirtschaftswissenschaft studiert. Als Oberbefehlshaber seiner
Truppen nahm Walter Hagen seinen Residenzsitz im Theologenzimmer
des Brettener Melanchthonhauses ein. Der 1895 in Bretten geborene
Kunstmaler Professor Albert Finck hat dies zum Anlaß genommen,
Walter Hagen auf einem Aquarell abzubilden. Dieses Porträt
befindet sich als Dauerleihgabe im Melanchthonhaus. Ende 1945 hat
die amerikanische Militärregierung Bretten geräumt und
eine deutsche Verwaltung eingesetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem Abzug der amerikanischen Truppen
wurde das Melanchthonhaus als Warenlager für die Güter
des Hilfswerks benutzt.
Es lagerten dort Lebensmittel, Kleinmöbel, Kleidung sowie
Gebrauchsartikel aller Art, die sowohl aus Übersee stammten,
als auch durch Hilfswerksammlungen im eigenen Land zusammengebracht
worden waren. Diese Güter wurden an Ausgebombte und Vertriebene
verteilt. Überlegt wurde in dieser Zeit auch das Oberkirchenamt
der Landeskirche im Melanchthonhaus einzurichten.

Der Evangelische Mädchenkreis nach Reinigungsarbeiten
im Melanchthonhaus, 1947/48
Als die allgemeine Versorgungslage sich gebessert hatte, sollte
das Melanchthonhaus wieder seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt
werden. Das Haus hatte durch die Umnutzung gelitten und musste von
Grund auf gereinigt und in Stand gesetzt werden, was durch Mitglieder
der evangelischen Gemeindejugend geschah.
Seit 1986 nahm sich in zunehmendem Maße die Stadt Bretten
ihres bedeutendsten Sohnes an. Mit der Anstellung eines Kustos und
weiteren Personals sowie durch weitergehende finanzielle Mittel
konnte das Melanchthonhaus als Museum und als wissenschaftliche
Forschungseinrichtung eine anerkannte "Stätte des europäischen
Humanismus" werden.
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