Gedächtnishalle

Über dem Eingang der Gedächtnishalle steht der Wahlspruch
des ersten Schirmherrn der evangelischen Kirche, des Kurfürsten
zu Sachsen: "Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit." (1 Petr
1, 25).
Wie das Gebäude so ist auch die sakral anmutende Gedächtnishalle,
die fast das gesamte Erdgeschoß einnimmt, in gotischen Formen
errichtet. Die beiden Rundpfeiler der zweischiffigen Halle stützen
ein Kreuzrippengewölbe. An das westliche Schiff schließt
sich im Süden eine kleine, polygonale Apsis an, worin sich
ein Altar befindet; die Gedächtnishalle ist somit zugleich
Gottesdienststätte.
Wandbilder
Die Wandgemälde, schon von Prof. Dr. Nikolaus Müller
geplant, aber erst zwei Jahrzehnte später ausgeführt,
erzählen das Leben Melanchthons in ausgewählten Szenen.
Die raumfüllende Historienmalerei, wie sie im späten 19.
Jahrhundert nochmals reich aufgeblüht war, findet hier zu einem
späten Zeugnis. Gestaltet wurden die Wandgemälde von dem
Karlsruher Professor August Groh (18711944).

Historische Fotografie der Gedächtnishalle,
noch mit den originalen Chorfenstern, den Reformatorenstandbildern
und den Wandgemälden von Professor August Groh, um 1930

Melanchthon am Marktbrunnen im Gespräch mit
fahrenden Schülern.

Übergabe des von Melanchthon verfaßten
"Augsburgischen Glaubensbekenntnisses" an Kaiser Karl
V. am 26. Juni 1530.

Eröffnung der "Oberen Schule" im
Ägidien-Kloster in Nürnberg am 23. Mai 1526,
jetzt Melanchthon-Gymnasium Nürnberg.

Besuch Melanchthons in seiner Vaterstadt in Bretten
im Sommer 1524.

"Martin Luther besucht seinen schwer erkrankten
Freund Philippus
und betet um seine Wiedergenesung, Weimar, 1540".
Dieses Bild ist zweifellos Ausdruck eines besonderen Verhältnisses
zwischen beiden Wittenberger Reformatoren. Seit August 1518 standen
beide über 27 Jahre lang in einer engen persönlichen Beziehung.
Melanchthon war Luther immer dafür dankbar, daß er von
ihm "das Evangelium gelernt" hatte. Diese Dankbarkeit
und Verehrung zeigt sich auch nach dem Tode Luthers. In der Trauerfeier
am 22. Februar 1546 und in der akademischen Rede am 11. November
1548 bestimmte Melanchthon Luthers historischen Rang als Glied in
der Kette der Wahrheitszeugen und als Repräsentant des fünften
Zeitalters der Kirchengeschichte, in dem Gott die Kirche wieder
zu ihren Quellen zurückgerufen habe. Fürsorglich nahm
er sich darüber hinaus Luthers Ehefrau Katharina Bora an. Bis
zu seinem eigenen Tod 1560 setzte sich Melanchthon trotz vielfältiger
Anfeindungen aus dem eigenen Lager unbeirrt für das Anliegen
der Reformation Luthers ein.
Reformatorenstandbilder

Historische Fotografie der Gedächtnishalle
mit den schmucklosen Chorfenstern
der Nachkriegszeit und den Reformatorenstandbildern von
Philipp Melanchthon und Martin Luther, um 1960
Die Reformatorenstandbilder der Gedächtnishalle sind aus südfranzösischem
Sandstein gearbeitet und wurden von den Berliner Bildhauern Fritz
Heinemann und Richard Grüttner 1903 in klassizistischer Tradition
geschaffen.

Reformatorenstandbild von Martin Butzer während
der Bearbeitung
im Atelier von Fritz Heinemann, Berlin, 1903
Fritz Heinemann, geboren 1864, war Mitglied der Berliner Akademie.
Sein uvre umfaßt zahlreiche Denk- und Grabmäler,
Porträtbüsten und Genrefiguren. Die Reihe der überlebensgroßen
Reformatorenstandbilder schließt sich an die Reformationsdenkmale
seit dem Wormser Lutherdenkmal (18561868) Rietschels an.

Standbild des Reformators Martin Butzer

Standbild des Reformators Justus Jonas

Standbild des Reformators Philipp Melanchthon

Mit seinem linken Fuß steht Melanchthon neben zwei Büchern:
der Heiligen Schrift, Symbol für die Erneuerung des Glaubens
durch die Heilige Schrift, und der "Nikomachischen Ethik"
des Aristoteles, die Melanchthon in verschiedenen Kommentaren herausgegeben
hatte, welche ihn zum führenden Gelehrten in den ethischen
und politischen Diskussionen seiner Zeit machten.

Standbild des Reformators Martin Luther

Standbild des Reformators Johannes Bugenhagen

Standbild des Reformators Johannes Brenz

Standbild des Reformators Johannes Calvin
Altar mit Melanchthonwappen
Der Altar ist aus weißem Marmor gearbeitet. Auf seiner Rückseite
befindet sich in Mosaik das Wappen Melanchthons. Das Symbol stellt
die erhöhte Schlange dar, die an die Szene in Num 21, 4-9 erinnert,
wo der Anblick der an einem Pfahl aufgehängten ehernen Schlange
vor dem Tod durch Giftschlangen schützt. Aufgenommen ist diese
Geschichte durch Jesus Christus in seinem Gespräch mit Nikodemus
(Joh 3, 14f): "Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht
hat, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit alle,
die an ihn glauben, das ewige Leben haben."
Als Wappensiegel Melanchthons ist dieses Motiv seit 1519 belegt.
Unter den Humanistenwappen erscheint es 1520/21 in der Erfurter
Matrikel. Ab 1526 ziert es Druckschriften Melanchthons.


Philipp Melanchthon, Ethicae Doctrinae Elementa, Et Enarratio Libri
quinti Ethicorum / Melanchthon, Philipp. Additae svnt Qvaestiones
de iuramentis, de Excommunicatione, et de alijs quibusdam materijs
/ Avthore Philippo Melanchthone.
Witebergae: Crato, 1586
Auf der Buchseite ist das Wappen von Philipp Melanchthon dargestellt.

Detail des Melanchthon-Wappens
Chorfenster der Gedächtnishalle
Die ursprüngliche Chorverglasung wurde gegen Ende des Zweiten
Weltkrieges zerstört. Anläßlich des 500. Geburtstags
Melanchthons verwirklichte der Melanchthonverein im Jahr 1997 die
Wiedererstellung dieser Chorfenster. Die Rekonstruktion folgte den
Photographien der Entwürfe aus dem Atelier des Freiburger Glasmalers
Prof. Dr. Fritz Geiges, der die ursprünglichen Fenster im Juli
1903 fertiggestellt hatte. Die drei Fenster sind Stiftungen des
badischen Großherzogtums.

Das linke Fenster mit dem Apostel Paulus, gestiftet
von der Großherzogin, mit der Inschrift: Gestiftet von der
Großherzogin Luise, badisch-preußisches Allianzwappen.

Das mittlere Fenster mit einer Christus-Darstellung,
gestiftet vom badischen Großherzog, mit der Inschrift: Gestiftet
vom Großherzog Friedrich A.D. 1902, badisches Wappen.

Das rechte Fenster Apostel Petrus, gestiftet vom
Erbgroßherzog und seiner Ehefrau, mit der Inschrift: Gestiftet
vom Erbgroßherzog Friedrich und Erbgroßherzogin Hilda,
badisch-nassauisches Allianzwappen.
Deckenwappen
Die Schlußsteine der sechs Gewölbejoche und der des
Chores in der Gedächtnishalle zeigen die Wappen der sieben
evangelischen Reichsstände, die als erste am 23. Juni 1530
das "Augsburger Bekenntnis", das erste evangelische Bekenntnis,
unterschrieben hatten:

Johannes, Herzog zu Sachsen

Georg, Markgraf zu Brandenburg

Ernst, Herzog zu Lüneburg

Philipp, Landgraf zu Hessen

Wolfgang, Fürst zu Anhalt

Die Stadt Nürnberg

Die Stadt Reutlingen
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