Kirchenaufbau
Nach ihrer Abspaltung von Rom stand die evangelische Kirche vor
der Aufgabe, sich neu zu organisieren. In den Städten und Gemeinden
mußten Pfarrstellen besetzt und die bereits eingesetzten Pfarrer
in den Grundsätzen der evangelischen Lehre geschult werden.
Philipp Melanchthon half, diese Kirche aufzubauen. Mit seinen Schriften
"Loci Communes", der ersten systematischen evangelischen
Glaubenslehre, und der "Confessio Augustana", die als
protestantische Bekenntnisschrift bis heute Gültigkeit hat,
erarbeitete er die Grundlagen des evangelischen Glaubens, an denen
sich Pfarrer und Kirchenorganisationen nicht nur in Deutschland
orientierten. Auch in der Kirchenvisitation, mit welcher der Zustand
der Pfarreien und Schulen sowie die Eignung der Pfarrer überprüft
werden sollte, kam ihm eine entscheidende Rolle zu.
Seit 1527 ließ Kurfürst Johann der Beständige Visitationen
abhalten und sich über die kirchliche Situation in seinem Land
informieren. Die erste Visitation in Thüringen leitete Melanchthon.
Über die Lage vieler Kirchengemeinden entsetzt, veröffentlichte
er im "Unterricht der Visitatoren" 1528 eine amtliche
Kirchenordnung, die für das ganze Land verbindlich eingeführt
wurde. Sie sollte Pfarrer über die Organisation und die Aufgaben
in der Gemeinde und über die Leitung von Gottesdienst und Schulunterricht
informieren. Das Kirchen- und Schulwesen in Sachsen wurde nach dieser
Ordnung aufgebaut. Auch in anderen evangelischen Ländern wurden
sie für die Kirchenorganisation vorbildlich.

Philipp Melanchthon
Die Hauptartikel und vornehmsten Punkte der ganzen
Heiligen Schrift (= Loci communes) verdeutscht
Straßburg: Martin Flach, 1522
"Allhier werden angezeigt die vornehmsten Artikel und Stellen
der christlichen Lehre, Schrift und Kunst, damit die jungen Gesellen
vermerken mögen, was man in der Heiligen Schrift am meisten
suchen soll. (...) Mit wenigen Worten erinnere ich, worin die ganze
Summe der heiligen christlichen Lehre und Schrift besteht. (...)
Ich möchte, wo ich könnte, etliche zu der Heiligen Schrift
bringen und locken."
Melanchthons Widmung der "Hauptartikel" an den Stolberger
Pfarrer Tilemann Plettener, (14901551)

Philipp Melanchthon
Unterricht der Visitatoren
Wittenberg: Nickel Schirlentz, 1528, Erstdruck
Mit einer Vorrede von Martin Luther
Auf dem Holzschnitt-Titelblatt aus der Cranach-Werkstatt links
das Wappen Luthers, in der Mitte das Druckersignet von Nickel Schirlentz
und rechts das Wappen Melanchthons.
Melanchthon verfaßte für die kursächsischen Pfarrer
die Richtlinien, in denen das Kirchenwesen neu geordnet wird: Gottesdienstordnung,
Predigtamt, Sakramentenlehre, u.a.
Melanchthons Visitationsartikel wurden vorbildlich für viele
Kirchenordnungen.
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