Theologie und Reformation
Humanismus und Reformation verbinden sich in der Theologie von
Philipp Melanchthon. Im Gegensatz zu Erasmus, dem bedeutendsten
Humanisten der Zeit, sieht er in der Erziehung nicht die Vollendung
des Menschen. Eine religiöse Erziehung ermöglicht zwar
das Verstehen der Glaubensinhalte, doch sein Heil kann der Mensch
nur finden, wenn er an die geschenkte Gnade Gottes glaubt.
Melanchthon kämpft zusammen mit Martin Luther für die
Erneuerung der Kirche. Nach einem Studium der Theologie verfügte
der Griechischprofessor bald über einen ausgezeichneten theologischen
Sachverstand und hielt Vorlesungen über Theologie, vor allem
über die biblischen Bücher. Mit seinen Schriften und als
Berater auf Reichstagen und Religionsgesprächen war er neben
Luther der einflußreichste Reformator in Deutschland. Melanchthon
verfaßte seine "Loci Communes", die erste evangelische
Dogmatik, 1521, als Luther auf die Wartburg in Sicherheit gebracht
worden war. Sie behandelt insbesondere die Frage von Gesetz und
Evangelium, von Sünde und Gnade. Die "Loci Communes"
gelten als das grundlegende System der evangelischen Glaubenslehre.
Melanchthons umfassende theologischen Lehrbücher seit 1535
sind überhaupt die ersten theologischen Gesamtdarstellungen
seit Thomas von Aquin (um 12251274). Als wichtigster Mitarbeiter
Luthers wirkte Melanchthon an dessen deutscher Bibelübersetzung
mit. Sie wurde Anregung und Grundlage für zahlreiche nationalsprachliche
Übersetzungen in Europa.

Philipp Melanchthon
Loci communes (Grundlagen des christlichen Glaubens)
Wittenberg: Melchior Lotter d. J., 1521
Als Melanchthon zum zweitenmal, 1520, Vorlesungen über den
Römerbrief gehalten hatte, begann er, die evangelische Glaubenslehre
zusammenzufassen und in Hauptstücke zu gliedern:
Gesetz, Sünde, Gnade und Sakrament.
Die Loci communes hier der erste lateinische Druck
gelten auch heute noch als grundlegende evangelische Systematik.

Werkstatt Lukas Cranach d. J., Philipp Melanchthon,
Öl auf Holz, 1560
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