Die Grafiksammlung des MelanchthonhausesPhilipp Melanchthon Melanchthon über Albrecht Dürer: "Ich erinnere mich, daß der Maler Albrecht Dürer, ein
an Talent und Tüchtigkeit hervorragender Mann, einmal sagte, er habe
in seiner Jugend Gemälde mit lebhaften und bunten Farben geliebt
und er habe einem Bewunderer seiner Werke, der auf einem seiner Bilder
die Buntheit der Farben betrachtete, große Freude damit bereitet.
Später, als alter Mann, habe er angefangen auf die Natur zu sehen
und versucht, deren ursprüngliche Erscheinung zu berücksichtigen;
damals habe er begriffen, daß gerade diese Einfachheit die höchste
Zierde der Kunst sei. Da er sie durchaus nicht erreichen konnte, habe
er, wie er sagte, nicht mehr wie früher seine Werke bewundert, sondern
oft geseufzt, wenn er seine Gemälde betrachtete, und an seine Schwächen
gedacht." Das Melanchthonhaus besitzt eine etwa 1000 Blatt umfassende Sammlung von Druckgrafik des 15. bis 20. Jahrhunderts, die auf eine kennerschaftliche Sammeltätigkeit von Nikolaus Müller zurückgeht. In Berliner und Leipziger Antiquariaten erwarb er zahlreiche Grafiken, die sich mit dem Thema "Reformation" auseinandersetzen. Ansichten reformationsgeschichtlich bedeutender Städte aus großen Holzschnitt- und Kupferstichkompendien wie der Schedelschen Weltchronik, der Cosmographia Universalis von Sebastian Münster und der Topographia Germaniae von Matthaeus Merian geben Einblick in berühmte landeskundliche Publikationen der frühen Neuzeit. Zahlreiche Porträts bekannter Reformatoren, Humanisten und protestantischer Fürsten bilden den Hauptteil der Sammlung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Bildnissen von Philipp Melanchthon und Martin Luther. Konfessionelle Polemik in Form von Flugblättern und Schmähbildern ist ebenso in der Sammlung vertreten wie Gedenkblätter zu Reformationsjubiläen und verklärende Darstellungen zum Leben Martin Luthers aus dem 19. Jahrhundert. Große Namen finden sich unter den Künstlern, die die Grafiken angefertigt haben. Holzschnitte von Lucas Cranach d. Ä. und d. J. haben ebenso ihren Platz in der Sammlung wie Kupferstiche von Albrecht Dürer, Heinrich Aldegrever und Robert de Bry, der Ende des 17. Jahrhunderts mehrere Reformatorenbildnisse nach älteren Vorlagen für eine bedeutende Porträtsammlung stach. Viele zu ihrer Zeit berühmt gewordene Bildnisse wurden in späteren Jahrhunderten kopiert und nachgeahmt. Auch in der Sammlung des Melanchthonhauses läßt sich die Rezeption dieser Vorbilder anhand von Porträts aus verschiedenen Zeiten und auf unterschiedlichen Qualitätsebenen nachvollziehen. Ausgewählte Blätter aus der Sammlung sind in den Vitrinen ausgestellt. |