Flugblatt, Zeitung und KI

12.11.2025

Professor Gerd Schwerhoff
Eine Tagung am Melanchthonhaus beleuchtet den Zusammenhang von Medienwandel und Revolution am Beispiel des Bauernkriegs

Wie kommt es zu sozialen Unruhen – wie 1525, als sich im Bauernkrieg die ländliche Bevölkerung gegen Adel und Klerus erhob? Welche Rolle spielten dabei die Medien – insbesondere der Buchdruck? Um diese Fragen ging es bei der wissenschaftlichen Tagung „Fluchtpunkt 1525?“, die vom 6. bis 8. November im Melanchthonhaus Bretten stattfand und gemeinsam von der Europäischen Melanchthon-Akademie und dem Fachbereich Germanistik am Karlsruher Institut für Technologie veranstaltet wurde. Der bekannte Bauernkriegsforscher Gerd Schwerhoff gab zu Beginn einen Einblick in die Erhebungen vor dem Bauernkrieg, wie „Bundschuh“ und „Armer Konrad“. Weitere Beiträge schlossen sich an – aus historischer, germanistischer, theologischer, kunst- und musikwissenschaftlicher Perspektive. Volker Leppin, Kirchenhistoriker an der Yale-University schlug beim öffentlichen Abendvortrag über den Aufruhr des „Pfeifers von Niklashausen“ das Publikum in seinen Bann. 

Während der Tagung schälte sich als Ergebnis heraus, dass dem Bauernkrieg eine lange Geschichte der sozialen Unruhen vorausging und dass eine Vielzahl von Medien im Spiel war, über die Informationen, Erfahrungen und Unmutsäußerungen ausgetauscht wurden. Dabei spielten nicht nur Flugschriften und Flugblätter eine wichtige Rolle, sondern weiterhin auch mündliche Medien wie Lieder, Gedichte und Gerüchte. Am Ende bedurfte es freilich einer inhaltlichen Konzentration, wie den reformatorischen Ruf nach „evangelischer Freiheit“, um einen überregionalen Proteststurm 1524/25 zu entfachen. 

Anstoß zur Tagung war nicht zuletzt die Wahrnehmung, dass revolutionäre Ereignisse häufig auf die Verbreitung neuer Medien folgen. Beim Podium „Medienwandel und Revolution“ wurde darum der Epochenvergleich gewagt. Nicht nur für den Bauernkrieg (Buchdruck), sondern auch für die französischen Revolutionen von 1789 und 1830 (Zeitungswesen) und für den „arabischen Frühling“ (Social Media) spielten neue Medien eine entscheidende Rolle. Welche Folgen, so wurde gefragt, wird schließlich der Einsatz künstlicher Intelligenz, der erst gerade beginnt, für unsere Gesellschaft haben?

Das Tagungsprogramm