Wir müssen reden!
30.01.2026
Wie können offene Gespräche über strittige Fragen und über Meinungsgräben hinweg geführt werden? Und wie können junge Menschen wie Erwachsene dazu ermutigt werden, ihre Ansichten selbstbewusst wie respektvoll einzubringen? Diesen Fragen stellt sich das Kunstprojekt „Wir müssen reden!“, das von der Europäischen Melanchthon-Akademie (EMA) Bretten und dem Faustmuseum Knittlingen in gemeinsamer Verantwortung gestaltet wird. Gefördert wird das Projekt durch den Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg mit 22.370 Euro.
Im Zentrum des Kooperationsprojekts stehen zwei Ausstellungen in Bretten und Knittlingen, in denen Philipp Melanchthon und Johann Faust zunächst als Antipoden vorgestellt werden: der gelehrte Humanist und Reformator im Kontrast zum Alchemisten, Astrologen und Wunderdoktor. Doch die beiden Figuren aus dem 16. Jahrhundert vereint mehr als gemeinhin angenommen, betonte der EMA-Direktor Prof. Dr. Christian Neddens in dem Brettener Pressegespräch. Sowohl Melanchthon als auch Faust bewegten sich in der Gedankenwelt des Humanismus. Sie waren beide hungrig auf Bildung, hatten Lust an fremden Gedanken und waren auf der Suche nach Orientierung und Ruhe. Dr. Denise Roth vom Faustmuseum bezeichnete es als große Chance, Fragen und Konflikte aus dem Zeitalter von Humanismus und Reformation für eine breite Öffentlichkeit museumsdidaktisch aufzubereiten und insbesondere für eine jüngere Generation zugänglich zu machen.
Die Notwendigkeit von Denkanstößen für eine verbesserte Debattenkultur unterstrich der Knittlinger Bürgermeister Alexander Kozel. Und der Brettener Oberbürgermeister Nico Morast verwies in dem Pressegespräch auf das bekannte Melanchthon-Zitat „Wir sind zum wechselseitigen Gespräch geboren“, das sehr gut zum Projektthema „Wir müssen reden!“ passe.
Mit eingebunden in das Ausstellungs-, Bildungs- und Kunstprojekt mit einem Schwerpunkt auf Demokratieförderung sind neben dem Melanchthonverein Bretten auch Prof. Jürgen Scheible mit der Digitalwerkstatt tecspaze und der Fotograf Tom Rebel. Die Ausstellungen in Bretten und Knittlingen werden im Juni 2026 eröffnet. Das Begleitprogramm umfasst Vorträge, Workshops und Kunstprojektionen.
Pressegespräch am 26. Januar 2026 im Melanchthonhaus. V.l.n.r.: Christian Neddens, Denise Roth, Nico Morast und Alexander Kozel
(Foto: Marcel Winter/ Stadt Bretten)
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