Zum Gedenken an Günter Frank
09.04.2026

Prof. Dr. Günter Frank war von 1998 bis 2024 Kustos des Melanchthonhauses Bretten. In dieser Zeit gründete er die Europäische Melanchthon-Akademie, die er als Direktor leitete. Außerdem wirkte er zuletzt als außerplanmäßiger Professor am Karlsruher Institut für Technologie. Er war nicht nur ein anerkannter Melanchthonforscher, sondern galt darüber hinaus als herausragender Fachmann für den Dialog von Theologie und Philosophie im 16. und 17. Jahrhundert. Bereits in seiner Dissertation beschäftigte er sich mit der theologischen Philosophie Melanchthons.
Die Gründung der Europäischen Melanchthon-Akademie zeigt programmatisch, dass Günter Franks Blick immer über die deutschen Grenzen hinaus ging. Schon seine Studienerlebnisse waren mit Auslandaufenthalten verbunden. Er wurde an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom promoviert und verbrachte u.a. rund zwei Jahre an der University of Chicago. Brettener Tagungen meist mit internationaler Beteiligung wurden in den „Melanchthon-Schriften der Stadt Bretten“ dokumentiert. Günter Frank war außerdem der Begründer der „Fragmenta Melanchthionana“ und der „Editionen zur Frühen Neuzeit“.
Mit vielen Führungen in der 2002/3 neugestalteten Dauerausstellung des Melanchthonhauses, mit öffentlichen Vorträgen und attraktiven Ausstellungen hat Günter Frank zudem im besten Sinne Öffentlichkeitsarbeit für Bretten und seinen größten Sohn geleistet. Das Gedenkjahr zum 450. Todesjahr Melanchthons 2010 hat er mit großer Kompetenz gestaltet und weit über Bretten hinaus bekannt gemacht.
Sein Herzensanliegen war die Ökumene, die er von Melanchthon als dem „Vater der Ökumene“ in besonderer Weise vorgedacht fand. Günter Frank war als Katholik für beide Seiten ein kundiger Gesprächspartner, da er als Fachmann für die Theologie und Philosophie der Reformation die konfessionellen Differenzen kannte und zugleich ein Brückenbauer zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche sein konnte.
Mit großen Hoffnungen machte er sich mit vielen Partnern auf den Weg ins Jubiläumsjahr 2030, in dem der 500. Jahrestag der Übergabe der Confessio Augustana von 1530 gefeiert wird. Das Jubiläumsjahr sollte für ihn die Summe all seiner Bemühungen um Melanchthon und um Ökumene bilden. Es ist tragisch, dass er dieses große Ziel nicht mehr erleben darf.
Günter Frank starb am Karfreitag, den 3. April 2026, in Erfurt im Alter von 69 Jahren – nicht weit entfernt vom thüringischen Arnstadt, wo er 1956 das Licht der Welt erblickte. Die Trauerfeier findet am Dienstag, den 14. April 2026, um 11 Uhr in der Brunnenkirche Erfurt statt. Anschließend erfolgt die Beisetzung auf dem Hauptfriedhof.
Das Melanchthonhaus und der Melanchthonverein Bretten nehmen Abschied von einem Gelehrten, der in 26 Jahren die Geburtsstadt des Wittenberger Reformators und Universalgelehrten zu einem anerkannten Zentrum der Melanchthonforschung und -erinnerung gemacht hat.
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